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Antihelden – Piratensender (Review)

9 April 2013

Antihelden - Piratensender (Cover)


Nach mehr als zwei Jahren Pause bringen die Antihelden Abroo und SirQLate kein Mixtape oder Album, sondern eine Radioshow. Die Grenzen zwischen Mixtape, Streettape und Album verschwimmen ohnehin und so soll diese neue Kategorie für Klarheit sorgen: Dies sei keine Ansammlung von Tracks, sondern ein als Radioshow konzipiertes Quasi-Album. Ok.


90er-Jahre-Boombap und Soul-Sample-Beats bilden das musikalische Grundgerüst. Für eine angenehme Abwechslung sorgt Shuko bei “Hände” mit einem deutschen Vocal-Sample. Obwohl fast jeder Track von einem anderen Produzenten stammt, bietet sich dem Hörer ein sehr harmonisches Klangbild, wobei die großen Namen Shuko, 7Inch und Snowgoons rausstechen. Übertroffen werden diese lediglich von LGP mit “T.O.O.T.A.” und DJ Shorty mit “Tag der Veteranen”, auf dem auch Kool G Rap gefeatured wird. Ansonsten ist eine bunte Mischung von US- und Deutschrappern auf der Platte vertreten: Mortis One, Nekst86, JAW, Morlockk Dilemma, Headtrick, Crop, Kamikaze, Mars, Louieville Sluggah, R.A. the Rugged und Rasco. Von den Deutschrappern fällt vor allem Headtrick sehr positiv auf und Nekst86 mit einem ungewohnt intensiven Part. Alles in allem wirkt die Featureliste aber etwas überladen.


Wie es sich für ein anständiges Oldschool-Album gehört, sind einige schöne Cuts von DJ Access, DJ Danetic, DJ Shorty, DJ Zwei50er und XRated zu hören. Für den Mix und Master zeigt sich das Peak Studio aus Würzburg verantwortlich, welches unter anderem die Goons-Releases abmischt. Lyrisch bleiben Aussagen hängen wie “Meine Lieder sind wie Hände, die ich allen reiche – Plattenfirmen sind wie Handschellen”, “Sammle Platten, Pornos und Bewerbungsabsagen” und “Unter Eurem Wolfspelz riecht es sehr nach Schaf”. Abroo bringt wie immer so viele Vergleiche wie möglich in die Texte, von denen es viele noch immer schaffen, ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Q versucht dies auch vereinzelt, was aber leider nicht den gleichen Effekt erzeugt. Besonders bei Abroos Solotrack “Die letzten unserer Art” stellt sich die Frage, wann Abroos Soloalbum erscheint. Interessant wäre auch, ob Abroo oder Kool G Rap zuerst auf den Jack Nicholson/Shining-Vergleich gekommen ist. Eine Hommage an Sentino (“nur im Studio wie die Mondlandung”) soll auch nicht unerwähnt bleiben.


Insgesamt erinnert Piratensender mehr an das “Kampf der Veteranen”-Mixtape als das apokalyptische Kein Happy End”, da es vom Vibe etwas positiver ist. Wenn man sowohl Vinyl- als auch CD-Tracks addiert, kommt man auf 16 Songs inklusive Intro, Remix und den beiden älteren Liedern “Instinkt” sowie “In the Night”. Mit dem Juice-Track “WTF”, der Vorab-Single “John Rambo Flow” sowie dem von Adam Klik gedrehten Video zu “Hände” konnte man sich ein erstes Bild der neuen Songs machen. Inhaltlich sind neben dem einzigen persönlichen Track “Instinkt” mehrere gesellschafts- und Gangstarapkritische Texte zu hören, die zum Glück über bloße Phrasen hinausgehen – allerdings gibt es auch einige Songs, die keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es wurde versucht, dem Release mithilfe des Radiokonzeptes einen roten Faden zu geben, was aber letztendlich nicht gelingt. Freunde des 90er-Jahre-Raps werden darüber aber sicher hinwegsehen können.


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(rm)


Antihelden – Piratensender (Snippet)