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JuliensBlog – ANALyse (Review)

20 April 2013

JuliensBlog - ANALyse Cover


Er hat es tatsächlich getan. Nachdem Julien mit bewusst provokant inszenierten YouTube-Kritiken die Aufmerksamkeit der gesamten Deutschrap-Szene auf sich ziehen konnte und durch sein Blog-Battle bereits so einige Newcomern erfolgreich pushen konnte, schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er auch selbst den Step ans Mic wagt. Aus dem anfänglich noch nach einem Spaß klingenden Rap wurde ziemlich schnell der deutlich ernstere Plan, ein komplettes Album zu releasen – welches nun mit “ANALyse” vorliegt.


So unkreativ der Titel auch sein mag (haha, da steckt “anal” drin!) und so sehr einen die Umstände auch abschrecken mögen – so schlecht, wie Deutschrap dieses Album gerne hätte, ist es leider nicht. Denn natürlich ist Sympathie ein nicht zu unterschätzender Faktor beim Hörgenuss – und hier schneidet Julien zweifelsohne schlecht ab – doch nahezu täglich landen in unserem Redaktionspostfach Hörproben von Undergroundrappern, die weitaus weniger auf dem Kasten haben. Allein dieser Umstand rechtfertigt eine genauere ANALyse des Albums.


Juliens Idol in Sachen Rap kristallisierte sich bereits in seinen Kritiken klar heraus und ist auch in seinem Rap-Style schon nach wenigen Sekunden rauszuhören: Sowohl Reimtechnik als auch Flow sind Kollegah pur, werden von Julien allerdings mit dem gewohnt arroganten Oberlehrer-Stimmeinsatz vorgetragen. Angesichts der größenwahnsinnigen Text erzeugt diese zur Schau gestellte Klugscheißerei sogar so etwas wie, nun ja, ein Gefühl von Authentizität.


Schließlich lässt Julien kaum eine Sekunde lang die Gelegenheit aus, sich selbst als Gott aufzuspielen, dabei stets auf irgendeine Art und Weise anzuecken und durch Provokation um der Provokation Willen die größtmögliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Werden nicht gerade wahllos sämtliche Tabus gebrochen und politisch inkorrekte Lines am Fließband serviert, disst der YouTuber die großen Namen der Deutschrap-Szene der Reihe nach durch – und greift dabei abermals auf zahlreiche Tabubrüche zurück. Dass Julien absolut keinen Grund hat, sich mit diesen Rappern anzulegen, erzeugt dabei einen extrem bitteren Beigeschmack.


Die mitunter zutiefst minderheitenfeindlichen Beleidigungen verschaffen ihm weitere Antipathie-Punkte, zumal diese nicht selten den Eindruck erwecken, dass hier ein ernster Kern dahinter steckt und nur weniges davon mit dem oft bemühten “Schwarzen Humor” zu erklären ist. Nötig hätte Julien das eigentlich ganz und gar nicht, denn gute Punchlines hat er auch ohne grenzwertige Inhalte. Darüber hinaus treffen diverse Zeilen die namentlich genannten Gegner überraschend gut und lassen einige in persönlichen Beefs entstandene Disstracks dagegen alt aussehen – so viel muss man Julien zugestehen.


Letztendlich mangelt es diesem Album aber nunmal ganz erheblich an einem: Einer Seele. Zu konstruiert wirkt dieses um Aufmerksamkeit bettelnde Werk, sämtliche Songs triefen nur so vor Berechenbarkeit. Die Leidenschaft zur Musik ist keine Sekunde lang spürbar. Dass Julien das alles wahrscheinlich furchtbar egal ist, ist sowieso klar. Viel mehr noch, dieses Album dürfte so ziemlich genau das sein, was er sich vorgenommen hat: Eine detailgetreue Übertragung seiner YouTube-Figur in einen Rapper. Und ob man diese Figur nun liebt oder hasst, das hat wahrscheinlich jeder schon für sich entschieden. Dieses Album wird daran jedenfalls nicht viel ändern.


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(mh)


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