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Prinz Pi – Kompass ohne Norden (Review)

2 Mai 2013

Prinz Pi - Kompass ohne Norden (Cover)


“Wow, zum dritten Mal denselben Song ausgekoppelt”, kommentierte kürzlich ein MeinRap.de-Leser auf Facebook die neue Single “Glück” von Prinz Pi. Nicht wenige User pflichteten ihm bei und penetrierten den Like-Button. Und so boshaft und überspitzt diese Aussage auch gewesen sein mag – so falsch ist sie gar nicht. Das ist auch überhaupt nicht schlimm.


Denn was mit diesem Kommentar gemeint ist, ist doch im Grunde folgendes: Noch nie hat Prinz Pi so konsequent einen roten Faden verfolgt wie bei “Kompass ohne Norden”. Soundtechnisch kündigte sich diese Entwicklung hin zu organischen Flächen bereits mit dem Live-Album “Hallo Musik” an, thematisch war “Rebell ohne Grund” schon fast komplett Pi und nur noch ganz wenig Porno – insofern ist die Entwicklung nicht allzu überraschend. Herausgekommen ist dabei Pis bisher schlüssigstes Album.


Bei der Themenwahl wollte der Prinz sich diesmal bewusst auf zeitlose Inhalte konzentrieren: Das Erwachsenwerden steht um Vordergrund und schwingt daher auch in einem Großteil der Songs mit, ob es nun um die eigene Orientierungslosigkeit, nostalgisches Schwärmen von den Jugendtagen oder Erinnerungen an die Verflossenen geht.


Passend zur inhaltlichen Ausrichtung kommt auch das Soundbild daher: Durchgehend setzt Pi auf warme Klänge, bei denen das Piano – mal melancholisch vor sich hin plätschernd, mal euphorisch nach vorne preschend – zumeist den Ton angibt und die restlichen Instrumente nur begleitend auftreten. Durch staubige Drums und brummende Bässe wird dabei stets das nötige Quentchen HipHop beibehalten.


Fans von “Keine Liebe”, “Heißkalt” und Co. werden das alles natürlich ziemlich langweilig finden – besagter Facebook-Post macht die Enttäuschung vieler Fans deutlich. Und ja, Spektakuläres sucht man hier tatsächlich vergebens. Vielmehr liegt die Stärke der Songs in ihrer Bescheidenheit: Die Texte wurden diesmal bewusst vage gehalten werden, um dem Hörer so den Freiraum zu schaffen, eigene Erfahrungen in die Zeilen hineinzuinterpretieren. Mit Pis Worten: “Den kannst du so ausfalten, den Song, und ihn dir dann nochmal genauer angucken.” Und wenn man das tut, entdeckt man vielleicht auch, dass Pi nicht dreimal denselben Songs ausgekoppelt hat. Man muss sich nur erst einmal darauf einlassen können.


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(mh)


Prinz Pi erobert mit “Kompass ohne Norden” die Chart-Spitze