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Architekt: “MC Zuhälter spielt immer wieder eine Rolle”

12 Mai 2013

Architekt


Seit diesem Freitag ist “Total Error” (zum Amazon-Download), der erste Teil von Architekts “Complete Error”-Trilogie, erhältlich. Wir trafen den Bielefelder in Berlin und sprachen mit ihm über seinen Namen, seine kriegerische Ader, die “Warum rappst du?!”-Tour, die Bielefelder Rap-Szene, MC Zuhälter, die Bielefeld-Witze, die Realisierung seines Videoalbums und Cros “Easy”-Video.


Ich habe mich schon immer gefragt, wieso du dich Architekt nennst. Rausfinden kann man es nicht, denn du hast gar keinen Wikipedia-Eintrag.

Das stimmt. Du hast gut recherchiert. (grinst)


Du bist einer der wenigen Rapper, die keinen haben.

Ich sollte mich darum kümmern. Man kann ja selber einen verfassen, richtig?


Ich glaube schon, ja.

Gute Sache. Und zwar habe ich früher so Lines geschrieben wie “Vom Maurer zum Bauherr” und solche Sachen, die architektonische Elemente und Ausdrücke beinhalten. Da meinte Rasputin, mit dem ich früher Musik gemacht habe: “Du bist der Architekt!” Da habe ich zu ihm gesagt: “Ich weiß!” (lacht) Genau so ist der Name entstanden. Ich kann auch noch genau sagen, wo: Vor dem Landgericht Bielefeld.


Warum denn da?

Weil er da in der Nähe gewohnt hat, sind wir da lang gelaufen. Das war irgendein Sommerabend und da kam es zu dieser Situation.


Wie hast du dich denn vorher genannt?

Weiß ich gar nicht mehr genau. Just oder so. Aber das war kein konkreter Name, ich war noch in der Namensfindung.


Mir ist aufgefallen, dass man den Namen anders betont. Man betont bei dir das “A”, während man bei dem Beruf das “tekt” betont.

Das stimmt.


Warum ist das so?

Schrecklicherweise nennen mich ja manche Leute “Artschi”. Adnan von Essah Entertainment sagt sogar “Achitekt” (mit ch wie in “Dach”, Anm. d. Red.). Es verlockt irgendwie dazu, wenn man es als Name benutzt, es anders auszusprechen.


Dich selber ja aber auch.

Mich selber auch! Es hat auch lange Zeit gedauert, bis ich nach “Der Architekt” irgendwann einfach nur noch “Architekt” war.


Woher kam das denn, dass du immer solche Architektur-Bezüge in den Texten hattest?

Ich habe früher eine Ausbildung gemacht, Garten-Landschaftsbau. Das habe ich mit 16 gelernt, weil ich Landschaftsarchitekt werden wollte. Ich habe auch als Kind immer schon solche Zeichnungen gemacht, so mit neun oder zehn Jahren. Da habe ich immer ganze Städte und so etwas entworfen. Ich war früher sehr kriegerisch veranlagt und habe so Vorher-Nachher-Bilder von ganzen Städten gemalt, wie sie vor und nach dem Krieg aussahen. (lacht) Ich habe schon immer so ganze Entwurfspläne gemacht und so weiter. Irgendwie steckt das so in mir. Eigentlich hätte ich Hausbau-Architekt werden sollen, weil das war mein Grundding, wo ich richtig Bock drauf hatte: Häuser konstruieren! Aber es hat mich dann auf Abwege gebracht.


Wie wurde das denn aufgefasst, wenn du als Kind lauter Kriegsbilder malst? Also wäre ich Schulpsychologe…

(Gelächter)

Also ein Freund meiner Familie, Leo, mein heutiger Steuerberater, hat mir das mal irgendwann so gesagt, dass ich schon immer so kriegerisch veranlagt war. Mir ist das daher erst spät bewusst geworden. Wie das damals aufgefasst worden ist, weiß ich nicht. Ich war eher so der strategische. Vielleicht eher so der wahnsinnige Fürst oder so. (lacht)


Spielst du denn solche Spiele?

Nicht mehr. Ich hatte aber Computerspiele, Age Of Kings oder Age Of Empires, das waren so meine absoluten Favorite-Games, die ich dann auch wirklich durchgespielt habe.


Da sieht man auch wieder den Strategen. Das ist ja nicht Tekken.

Wobei Tekken – diese kriegerische Seite habe ich auch. Weil Tekken oder früher noch Street Fighter habe ich auch richtig gefeiert. Mehr als irgendwelche Autorennspiele und Mario und solche Sachen. Und geboxt habe ich auch, zehn Jahre lang.


Bevor du auf die Tour mit Savas gegangen bist, habe ich gar nicht mehr mit dir gerechnet.

Oh, krass. Ja. Ich schon. (lacht)


Was war denn in der Zeit vorher?

Also 2011 bin ich ja zweimal auf Tour gegangen, einmal auf Architekt-Tour, einmal auf R.Y.C.T mit Laas. Da habe ich einzelne Videos rausgebracht. Danach war aber ein Jahr Funkstille. Ich bin halt Vater geworden und habe eine seriöse Schiene eingeschlagen. Aber ich habe halt Mucke gemacht. Das verfolgt mich halt immer, schon seit 15 Jahren oder so. Da habe ich mich dann komplett frei gemacht von irgendwelchem Release-Druck oder so. Ich wollte geile Tracks machen. Das einzige, was mich bei Rappern überzeugt, sind einzelne geile Songs. Nicht, dass sie mich die ganze Zeit mit irgendwelchem Zeug vollmüllen, sondern einzelne geile Tracks. Das ist das, was zählt. In der Zeit habe ich richtig geile Songs gemacht.


Hat man da nie Angst, dass man den Anschluss verliert? Die Fans suchen sich vielleicht wen Neues, wenn man lange nichts rausbringt.

Nee, weil ich einfach wusste, dass ich der Allerbeste der Welt bin, hatte ich da keinerlei Ängste. (lacht) Und auch ein Krieger kann sich mal zurückziehen und aus dem Hinterhalt angreifen.


Tust du das jetzt?

Hm, nicht aus dem Hinterhalt, aber ich starte jetzt auf jeden Fall eine vernünftige Offensive, die das Land verändern wird.


Hat man als Krieger nicht auch eine gewisse Ehre, so dass man nicht aus dem Hinterhalt angreifen möchte?

Na, es geht. Man muss halt abwägen. Man sollte zumindest nicht offen und ohne Deckung in den Gegner laufen. Man muss einfach gut aufgestellt und gut trainiert sein. Das habe ich halt gemacht: Ich habe mich täglich trainiert. (lacht)


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