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Cr7z – Hydra EP (Review)

17 Dezember 2013

Cr7z - Hydra EP (Cover)


Den aufmerksamen Heads dürfte etwas bei Ankündigung der “Hydra EP” aufgefallen sein: Kein Bezug zur Zahl 7 im Titel, ominös. Und kein Grund, ein Fass aufzumachen, dennoch kann die siebenköpfige “Hydra” durchaus als etwas abseitig empfunden werden. Gemäß der Jahreszeit, setzt Cr7z seinem äußerst produktiven und präsenten Jahr, samt dem “Segen von Savas und die Aufnahme ins Live-Roaster von Essah Entertainment, nämlich die Eiskrone auf, gefährdet durch die heiße Luft seiner ewigen Kritiker.


Eine kühle, bläuliche Ästhetik ist nicht nur auf dem geheimnisvollen Cover, sondern allem in der ersten Hälfte der “Hydra EP” zu hören. Statt klavierlastigen, organischen Arrangements wird auf experimentelle, geschichtete Synthetik gesetzt, die mehr Sog als Angriffswut erzeugt. Das bedeutet aber nicht, dass Cr7z eingefroren ist: Auf dem Opener “Shellshock” drischt der 58er mit Kombos auf skeptische Technerds ein, dass die Chiptunebits schlackern und nicht weniger als Ehrfurcht zurückbleibt. Jene beispielhafte Aggressivität wird auf dem Rest der EP aber dann eben etwas zurückgefahren, nach dem meditativen Szenekritiker “Yuki”, der beattechnisch den Track der EP darstellt und wo man den Schatz zu bergen vermag, stehen konkrete Themen im Vordergrund.


Dass es eben nur eine EP ist und somit nicht so einer Intensität und Dramaturgie zugrunde liegt wie “An7ma”, soll keine Ausrede sein. Zudem besticht das thematische Spektrum paradoxerweise nicht durch Frische. Cr7z ist ja durchaus gewillt, Neuankömmlingen einen seichteren Einstieg zu gewährleisten, ventiliert sich aber immer noch sehr eigen, manche sagen monoton, durch seine Gedankenwelt. Die Kritik an den Modern Times, der Jugend (“Siegeszug”, “Minus und Minus”) und der zähflüssige Liebeskummer (“Lass mich gehen”) sind strittiger Teil seiner Identität. Und über das Real Keepen hinaus besticht 7 mit gewohnter exemplarischer Detailtiefe, ohne dabei technisch zu Gunsten der Inhalte Abstriche machen zu müssen. Wahrlich “Geboren zum Rappen”, lyrisch kann ihm aber sein Kollege und Featuregast Absztrakkt definitiv Paroli bieten. Jener hat “Bodhiguard” für nächstes Jahr angekündigt und scheint bestens aufgelegt.


Mit zurückkehrender Organik auf den durchweg charakteristischen und detailverliebten Beats in der zweiten EP-Hälfte schließt Cr7z den Kreis gewissermaßen. Viel hat sich für ihn ergeben in den letzten Jahren und der “Sprung in das Blaue” scheint ob der Unbelehrbarkeit Anderer, deren Sackgassenmentalität, nun mehr sein Plan A zu sein. Massentauglichkeit ist aber anders. Wer Sevens Texte nicht befreiend-ehrlich empfindet, findet sie wohl pathetisch oder cheesy. Und auch wenn “Minus und Minus” zuviel Tempo wegnimmt und etwas anstrengend werden kann, so hat der polarisierende Cr7z bei der Konstellation der Tracks ein gutes Händchen bewiesen. Eine kurze, knackige EP, die Spaziergänge durch den städtischen Winter sphärisch begleitet. Quantität und Qualität auf einem derart hohen Level zu halten, erscheint – zugegeben – etwas monoton wie seine Vortragsweise, verdient in erster Linie aber großen Respekt.


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(tb)


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Cr7z – Axiom (Audio)