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3Plusss – Mehr (Review)

7 April 2014

3Plusss - Mehr (Cover)



3Plusss, dieser VBT-Typ mit Magerquark, hat ein neues Album gemacht. Es heißt Mehr” und ist insofern tatsächlich mehr, als das bisherige Schaffen des Essener Rappers, als dass er seinem typischen Rumgeblödel erstmals nachdenklichere Töne hinzufügt.


Dass 3Plusss die Melange aus jugendlichem Idealismus und Leichtsinn gepaart mit einer reflektierten Weltsicht gut steht, ist schon im ersten Track zu bemerken. “1 Bus” leitet den Longplayer mit einem lässigen Gitarrenbeat tiefenentspannt ein und appelliert mit Zeilen wie “Denn was nützt mir irgendetwas, wenn ich gar nicht glücklich bin?” an den Hörer, seine eigenen Bedürfnisse gefälligst im Auge zu behalten – nur für den Fall, dass er überraschenderweise vom Bus überfahren wird, zwinker, zwinker.


Gänzlich angekommen im deepen Songwriting ist 3Plusss mit dem Track “Sicher”, bei dem er vom einzigen Feature-Gast des Albums Chefket unterstützt wird. Die zwei sinnieren zu einem melancholischen Beat über Freundschaft, Misstrauen und Angst vor Enttäuschung. Dabei überzeugt besonders Chefkets Part mit schönen Alltagsweisheiten wie “Wir brauchen Alk, wir könn’ uns nicht bei ‘ner Cola öffnen / Laute Beats im Hintergrund halten uns schön an der Oberfläche”.


Aber auch Anhänger der Kindskopf-Platten kommen mit “Mehr” auf ihre Kosten, etwa wenn 3Plusss mit “LANGWEILTMICH” Standard-Lebensentwürfen eine gekonnt rotzige und eben gelangweilte Absage entgegen setzt:


“Sorry, hast du was gesagt? Ich bin grad eingeschlafen/
Du hast mir irgendwas erzählt, von deinem Plan/
Wie du irgendwie irgendwas hast in ein paar Jahr’n/

Ich mach mir noch ‘nen Kaffee… Willst du auch ein’ haben?/”


Genauso gut wie “LANGWEILTMICH” könnten auch “Kopf” oder “3Käsehoch” die Hymnen der Abi-Jahrgänge 2014 werden -  und das ist gar nicht abwertend gemeint. Die Songs sind einfach die Ton gewordene Verkörperung von Jugendlichkeit und Unbeschwertheit. Wie aus Versehen gibt es im Track “Kopf” dann noch eine der besten Zeilen des Albums zu hören: “Mann, ich renne durch meine Gedankengänge/ und kritzel ‘Fuck you, halt die Fresse!’ an die Wände”.


“Mehr” pendelt ausgeglichen zwischen den beiden Polen “frecher Typ mit Scheißegal-Attitüde” und “Denis macht vielleicht doch nicht einfach so, irgendwie, wird schon werden” und stellt daher eine recht konsequente Weiterentwicklung der beiden Kindskopf-Platten dar. Dass es dabei noch einige füllende Songs aufs Album geschafft haben, machen spaßige, kurzweilige Tracks ebenso wie bedächtige Songs wett. Ein bisschen Luft nach oben bedeutet ja auch, dass da in Zukunft noch etwas “Mehr” kommen kann.


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Text: Alina Klöpper


3Plusss: “Mehr” in den Top 25 platziert