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Kobito – Blaupausen (Review)

24 Juli 2014

Kobito - Blaupausen (Cover)


Kobito ist Rapper aus Berlin, taucht seit einigen Jahren immer mal wieder im Dunstkreis um Sookee und dem Künstler-Kollektiv ticktickboom auf und weil es sich ja doch nicht vermeiden lässt: er gehört zum berühmt-berüchtigten Lager „Zeckenrap“. In einer Szene, in der schon allein das Wort amüsierte bis entsetzte Reaktionen hervorruft, hat es sein neues Album sicher nicht leicht. Doch nicht zuletzt, weil Kobito sich mit „Blaupausen“ fernab von starren Ideologien und Zeigefinger-Attitüden bewegt, hat sein Schaffen Aufmerksamkeit verdient. Nebenbei verhilft dieses Album vielleicht sogar seinem Subgenre, sich von seinem Voldemort-Image wegzubewegen.


Schon der zweite von dreizehn Songs, „Niemals arm“, weist in die tiefenentspannte und grenzenlos optimistische Richtung, in die das komplette Album läuft. Dabei geht Kobito meist von seinen ganz persönlichen Denkweisen aus und lässt daher viel Spielraum für eigene Anknüpfungspunkte und Interpretationen:


„Ich bin immer pleite, aber niemals arm /
Ich hab viel zu wenig von dem, von dem viele schon viel zu vieles haben /
Dieses Papier in den vielen Farben, das sie jagen /
Und am liebsten schwarz, grün, gelb oder lila haben /
Meine Taschen sind leer /
Und wenn sie heute voll sind, sind sie’s morgen nicht mehr /
Denn ich halt mich nicht an etwas fest, das die Brieftasche füllt /
Sondern versuch eher, damit mein’ Drang nach Leben zu stillen“


Neben solch positiven Tracks bleibt aber natürlich – es geht immerhin um Zeckenrap! – eine kritische Beschäftigung mit deutscher Politik und gesellschaftlichen Problemen nicht aus. Als bestes Beispiel des Albums sei hier „Wut“ angeführt, ein durch die Kombination von drückendem Beat und Lyrics in Form einer Kampfansage an den Mainstream sehr gelungener Song. Und auch wenn er sich negativen Gefühlen widmet, sind Kobitos Lyrics nie unbesonnen. Sie halten vielmehr immer noch einen Platz für Selbstreflexion bereit.


„Und du weißt erst, was zu scheitern heißt /

wenn dein Herz dich auffordert zu schreien, aber du schweigst“


Den einzig wirklich dramatischen Ausreißer leistet sich Kobito mit der Zeile „aber lass uns nicht Bonnie und Clyde, sondern viel lieber Karl und Rosa sein“. Inmitten des sonst so wahnsinnig ehrlichen Lovesongs „Polly Diamanti“ kommt die ideologische Anspielung auf die kommunistischen Helden von heute, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, mehr peinlich als sympathisch daher.


Ganz allgemein gesprochen lebt Kobitos zweites Solo-Album von seinen Lyrics und seinen Beats. Wer auf Technik oder Flow versessen ist, wird „Blaupausen“ nicht in heavy rotation hören können – dafür gibt es zu viele unsaubere Reime und in der einen oder anderen Zeile zu viele Wörter. Abgesehen von solch technischen Fehlern, zeigt sich Kobito vor allem als ehrlicher und charmanter Songwriter. Auch wenn er sich auf seinem zweiten Album nach wie vor alles andere als unkritisch mit der Welt und den Menschen um ihn herum auseinandersetzt, wirkt er dabei nie belehrend oder verbittert. Er erzählt vielmehr von sich und seinen Gedanken, sodass selbst sperrigere Tracks wie „Wut“ oder „Tränen“ schon beinahe locker-luftig daherkommen. Dass Kobito sich auch weiterhin traut, Hooks zu singen, und diese Aufgabe mit Bravour meistert, kann sicherlich als weiterer Pluspunkt gezählt werden. Sein Nischendasein hat „Blaupausen“ also nicht verdient, wo doch sein roter Faden nichts Geringeres als Liebe für diese Welt und ihre Bewohner ist.


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Text: Alina Klöpper