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Mein Rap #100: Ufo361

20 August 2014

Ufo361 - U.F.O. (Video)


In unserer Rubrik “Mein Rap” stehen uns Stars, Untergrund-Größen und Newcomer Rede und Antwort über ihre Musik, den Werdegang und Zukunftspläne. Heute mit Ufo361.


Warum rappst Du?

Ich würde sagen, in erster Linie wegen 2Pac. Er hat mich dazu gebracht, dass ich seine Texte mitgerappt habe, und durch ihn bin ich einfach ein übertrieben krasser Rap-Fan geworden. Ich bin zu meinen Lehrern gegangen und hab versucht, jedes Mal ein paar Zeilen von ihnen übersetzen zu lassen, bis ich dann mal gelernt habe, dass “Bitch” Schlampe heißt. Vorher hab ich das halt auch immer laut mitgerappt, auch neben meiner Familie… (lacht)  Im Großen und Ganzen rappe ich durch ihn, dank ihm oder wegen ihm, aber warum ich das hauptsächlich mache, ist, weil es einfach ‘ne Leidenschaft geworden ist. Auch ich habe mal Tage, an denen ich keinen Bock habe zu schreiben oder denke, dass diese ganze Hip Hop Geschichte doch total unnötig ist, oder mich frage, warum ich nicht einfach wie ein normaler Mensch arbeiten gehe. Trotzdem kommt immer wieder das Verlangen zurück, dass ich dann was schreiben will oder einfach Mucke machen will. Mittlerweile ist Rap einfach Teil meines Lebens.


Seit wann bist Du da aktiv?

Offiziell aktiv, würde ich sagen, seit 2010. Vorher habe ich halt auch so ein paar Dinger in der Hood mit ein paar Freunden gemacht, aber so richtig aktiv mit Hoodrich und Said, würde ich mal sagen, seit Ende 2010.


Wie hat sich Dein Rap seitdem verändert?

Ich war am Anfang halt so ein typischer Kanake und ich habe halt auch so gelebt, wie ein Kanake in Kreuzberg halt lebt. Ob Drogen, Einbrüche und diese ganze kriminelle Scheiße, Graffiti oder so. So hab ich dann eben auch angefangen zu rappen. Ich war jung, aber am Anfang dachte ich: Du darfst jetzt nicht lächeln, du darfst jetzt nur böse gucken und du musst immer ernst sein und mit tiefer Stimme rappen und so. (lacht)  Mittlerweile bin ich halt mehr Rapper als Straße und sehe das gar nicht mehr so ernst, sondern eher eben auch aus der Sicht eines Musikers. Ich habe meinem Horizont einfach erlaubt, sich zu erweitern. Ich habe mich in der Hinsicht sehr verändert und mach jetzt einfach Musik, wo ich Bock drauf habe, und versuche, nicht so zu verkrampfen.


Wer oder was hat Dich beeinflusst?

2Pac, wie gesagt, zum großen Teil. Natürlich auch andere Rapper. Außerdem die Westküste. Wegen Snoop Dogg habe ich angefangen zu buffen zum Beispiel, die Beats von Dr.Dre haben mich natürlich auch sehr inspiriert. Also ich würde sagen, komplett erst mal die Westküste, als ich jünger war, und als ich älter wurde und die Westküste durchgehört hatte und alles kannte, was es da gibt, habe ich irgendwann dann auch Schoolboy Q und noch viele weitere entdeckt. Chief Keef, Migos, das sind auch Leute, die mich inspirieren auf ‘ne bestimmte Art und Weise.


Lebst Du von der Musik?

Ich lebe für die Musik. Ich investiere gerade alles da rein, was ich habe, und es reicht auch Gott sei Dank noch zum Leben. Aber ich versuche auch nebenbei natürlich zu hustlen, und versuche immer irgendwie an Kohle zu kommen, ob ich meiner Familie aushelfe im Laden oder was auch immer. Ich versuche natürlich immer Geld dadurch zu verdienen, aber ich lebe nicht durch die Musik, sondern durch meine Arbeit.


Was ist für Dich Dein wichtigstes Release?

Das aktuelle. Ich hab jetzt zwei offizielle Soloreleases: “Bald ist dein Geld meins” und jetzt “Ihr seid nicht allein”, das mein erstes offizielles Album ist. Natürlich ist es dann auch das wichtigste.


Was kann man von Deinem nächsten Release erwarten?

Von “I.S.N.A.”, das ja am 15. August erscheint, kann man auf jeden Fall einiges erwarten: Spaß auf jeden Fall, und ich denke, man lernt mich und meine Geschichte auch ganz gut kennen. Themen wie die ganze Graffitigeschichte oder dass ich sehr viel Gras gebufft habe, mit viel Frauen unterwegs war und Spaß hatte, spiegeln eben auch mein Leben wider.  Neben meinen Hoodrich-Jungs Kalusha und Greeny sind auch Leute  wie Blut & Kasse und Morlockk Dilemma mit drauf, die ich sehr feiere. Man kann also eigentlich eine Menge von mir erwarten und es ist ein gutes Kennlernalbum. Meine Stilistik, meinen Flow, meine Reime und so generell, welche Schiene ich allgemein fahre, kann man dort gut raushören.


Wenn Du Fremden nur ein Lied von Dir vorspielen könntest, welches wäre das?

Ich glaube “Kreuzberg96″, weil es halt einfach zur Zeit mein Favorit ist. Es handelt von jemanden, der mich in meiner Kindheit mit türkischem Rap sehr beeinflusst hat – Bobby von Islamic Force. In dem Track erzähle ich halt einfach von dem Kreuzberg, das ich als Kind kennengelernt habe und mir auch jetzt noch versuche vor Augen zu halten. Teilweise habe ich echt einfach die Augen zugemacht und versucht, mich zu erinnern, wie es damals aussah, was es gab, das es heute nicht gibt und umgekehrt. Zum Beispiel Spielcasinos, die gibt es ja mittlerweile in Kreuzberg an jeder Ecke gibt, die gab es halt damals nicht, da gab es Cafés, wo die Babas, also die Väter von uns saßen und gezockt haben. Unter dem Tisch ging es dann um 5000 Mark, es sah aber so aus, als ob die einfach Karten spielen würden, aber eigentlich war es wie in Las Vegas, nur halt mit türkischen Cafés und davon gab es halt überall welche. Oder krass viele Punker, die jetzt auch alle auf der Warschauer Brücke chillen. Diese Erinnerungen – deswegen ist der Song sehr, sehr wichtig für mich. DJ Derezon hat den Track produziert. Er ist einer der krassesten Produzenten auf der Welt, würde ich sogar sagen. Also für mich auf jeden Fall jemand, auf den ich nicht verzichten wollen würde, auch in Zukunft nicht.


Was denkst Du, als wer Du in der Szene wahrgenommen wirst?

Ich sag mal so: Ehrlich gesagt glaube ich, dass viele das, was ich mache, nicht zu hundert Prozent akzeptieren und feiern. Also ich krieg nicht mit, dass das, was ich mache, oft von Künstlern geteilt wird, so dass ich sagen könnte: Oh krass, Bushido und Sido und der und der und MoTrip hat mein Video gepostet. Ich glaube, es ist schon manchmal für die Leute so: Ich übertreibe, ich geh krass an die Grenze, ich bin dann oben ohne auf einmal und hab dann ‘nen volltätowierten Körper wegen 2Pac und male mich dann auch an und so, für manche Leute ist das dann wahrscheinlich schon so: Man der übertreibt voll, der macht jetzt Comedy – oder was auch immer die sich dann einreden. Ich kann die Frage nicht so richtig beantworten, weil ich auch nicht so viel Feedback von den Machern kriege, also Said ist für mich die wichtigste Person in der Szene, weil er mir auch sehr viel beigebracht hat, auch diese Strukturgeschichten mit Bridge und Hook und was 3er Reime sind und, dass er sich ‘ne Tabelle macht und sich Reime überlegt zu dem und zu dem und und und … Seine Meinung ist mir sehr wichtig und ich hatte einen Termin mit ihm, da war ich der Meinung, ich hab keine Single, und dann meinte er: “Ey du hast drei Singles!” – und dann war das Ding gegessen, dann hab ich auf andere Meinungen verzichtet und hab jetzt nicht irgendwie noch versucht, irgendwelche Rapper ranzuholen und zu fragen: Ey wie findest du das Album?” Meine Familie hat es gehört und gefeiert, Said als mein großer Bruder hat es gehört und gefeiert und das hat mir gereicht.


Wer sind Deine Lieblingsproduzenten?

DJ Derezon ist da auf jeden Fall an erster Stelle, KD Supier ist auch einer meiner Lieblingsproduzenten und Wolle Beats. Mit Wolle Beats will ich auf jeden Fall in Zukunft noch was machen, er ist einfach so der coolste Typ, den es gibt, er hat ‘ne sehr, sehr nette und coole Familie, seine Kiddies sind todesgechillt drauf und seine Beats sind einfach richtig, richtig gechillt, also die könnte ich mein Leben lang hören. Wenn ich nur einen Produzenten das Leben lang hören müsste, dann würde ich sogar sagen: Wolle Beats.


Gibt es Wunschfeatures?

Ja. Ich habe sehr coole Feature-Ideen für kommende Projekte, aber ich kann dazu jetzt natürlich keine Namen nennen. Auch weil es noch nicht bestätigt ist, aber ich sag nur so viel: Ich mag es, Leute auszugraben und zu sagen: “Ey, hier gibt’s noch einen, an den ich euch erinnern solltet!”


Hast Du auch schon mal überlegt den ganzen Kram einfach hinzuwerfen?

Ja, schon öfter, ehrlich gesagt. Irgendwie habe ich meinen Platz noch nicht gefunden gehabt und da hat man ab und zu schon seine Zweifel. Ich habe jetzt keinen Majordeal oder 100.000 Fans auf Facebook oder 5 Millionen Klicks auf Youtube. Da kommt es als Musiker eben hier und da auch zu Stress-Situationen. Die Familie fragt, ob man wirklich so sein Geld verdienen will, was das soll und wie lange das noch so gehen soll. Eine Freundin hat sogar schon mal mir mir Schluss gemacht, weil sie gemerkt hat, dass sie einen Freund will, der richtig arbeitet, also was Geregelteres macht. Teilweise habe ich schon ans Hinschmeißen gedacht. Aber mittlerweile ist das das Letzte, woran ich denken würde. Ich ackere und mache lieber alles dafür, als dass ich mich mit negativen Sachen auseinandersetze. Die Leidenschaft zur Musik ist stärker und größer geworden und ich werde auf jeden Fall nicht aufhören.


Planst Du, in 5 Jahren noch zu rappen?

Ich werde auf jeden Fall mein Leben lang rappen. Ich sage auch bei dem Track “Nachtschicht”, dass ich mit 80 noch rappen werde. Dann sitze ich irgendwo, wenn ich solange lebe, und schreibe Texte, von mir aus auch für andere Künstler. Selbst wenn sich das jetzt in die Richtung entwickeln sollte, dass ich doch einen anderen Job annehme, wo ich meine zwei Lappen pro Monat verdiene, mit denen ich meine Familie ernähren kann, dann werde ich trotzdem noch rappen, auch wenn ich das nur für mich selber in meinem Keller mache und meinen Homies zeige.


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Ufo361 feat. Blut&Kasse & Morlockk Dilemma – Brett (Video)