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Olson – Ballonherz (Review)

7 September 2014

Olson - Ballonherz (Cover)


Eigentlich ist seit 2008 und seinem Tape „rudeboy“ nicht so wahnsinnig viel um Olson, der damals noch ein „Rough“ im Namen trug, passiert. Doch haben eine fünf Tracks starke EP von 2012, die immerwährende Ankündigung, wie gespannt man auf sein Album sei und nicht zuletzt die Einberufung zur „Neuen Reimgeneration“ durch Falk Schacht mit den Jahren einen amtlichen Hype um den Düsseldorfer generiert.


Nun also, endlich, das Album „Ballonherz“. Ob man das überhaupt noch als Rapalbum einordnen darf, soll, kann, bleibt wohl den individuellen Genregrenzen überlassen. Klar ist aber noch vor dem ersten Hördurchgang, dass Olson mit seinem Debüt ein Produkt (nein, keine Platte, ein Produkt!), das sich mit allen Wassern der Musikindustrie gewaschen hat, releast. Cover, Titel, Vorab-Singles – alles scheint dem Konsumenten zuzurufen: „Hier, ich bin neu, ich bin cool, sei ein Teil davon, kauf mich!“


„Ballonherz“ erzählt von den eher kleinen Sorgen der jungen Großstädter von heute. Durchgefeierte Nächte, Rummachen im Auto und erste Mahnung, alle bekannten Themen sind auf „Ballonherz“ dabei, was an sich überhaupt kein Kritikpunkt sein kann. Olson setzt diese Motive jedoch so leidenschaftslos um, dass es wehtut. Er wirkt durch seinen aalglatten Vortrag als Protagonist des Albums wenig greifbar, fast schon durchsichtig und man hat so gut wie nie den Eindruck, einem würde ein ehrliches Gefühl präsentiert.


„Und wir beide haben uns lang nicht gesehen/

auch wenn’s schon geht, yeah, tut es noch weh/

Für diese glänzende Designerjacke, die ich heut rock’/

hab ich die Hälfte meines Kleiderschranks auf ebay verkloppt/“


Bei diesen Zeilen aus „Flugmodus“ wird einem als fühlendes Wesen ganz anders ums Herz. Wer so kaltschnäuzig Liebeskummer in Phrasen verpackt, um ihn dann mit Finanzierungsproblemen von überteuerter Mode gleichzusetzen, dem ist nicht abzunehmen, dass ihm überhaupt noch irgendwas wehtun kann.


Das 13 Songs beinhaltende Werk wird untermalt mit sehr melodiösen Beats, die oft etwas Hymnenartiges haben. Trotz vieler 808s, die die oft gelesene Drake-Referenz rechtfertigen, fehlt ihnen jedoch in den meisten Fällen das gewisse Etwas, das den Hörer auf Repeat schalten lässt. Zu glattpoliert, zu clean wirken die Produktionen, um wirklich zu berühren oder auch nur Ohrwurmpotenzial zu besitzen.


Ein Image ist nichts Schlechtes und Marketingagenturen sind nicht das Böse. Sofern in Major-Strukturen Liebe und Leidenschaft reingesteckt wird, kann das alles interessant und anspruchsvoll umgesetzt werden, gar kein Zweifel. Wer jedoch, ohne sich selbst an den Kopf zu fassen, Aussagen wie „Die Frage war: Was erzähle ich denn jetzt? Ich hatte keinen blassen Schimmer“ tätigt, der sollte es vielleicht einfach dabei belassen. Denn sonst werden eben Dinge wie „Ballonherz“ in die Welt geschmissen: Für fünf Minuten hübsch anzuschauen, aber dann eben doch nur verdammt belanglose heiße Luft.


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Text: Alina Klöpper


Olson: “Natürlich mag ich Drake, aber er hat mein Album nicht beeinflusst” (Artikel)