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Mein Rap #101: Nanoo

29 September 2014

Nanoo

Foto: Felix Vorbeck


In unserer Rubrik “Mein Rap” stehen uns Stars, Untergrund-Größen und Newcomer Rede und Antwort über ihre Musik, den Werdegang und Zukunftspläne. Heute mit Nanoo.


Warum rappst Du?

Hallo erstmal, schön hier zu sein. Ich rappe eigentlich nur aus Langeweile. Ich komme ja aus Aschaffenburg und da geht unter der Woche nicht wirklich viel, außer vielleicht Kino. Und da ich mal noch ein bisschen ländlicher gewohnt habe und die Busse nur bis 20Uhr gefahren sind, habe ich mir ein Hobby und Freunde im Internet gesucht. Wie das ein uncooles Kind halt so macht.


Seit wann bist Du da aktiv?

Puh. Viel zu lange und eigentlich viel zu kurz. Ich rappe schon immer so ein bisschen aus Spaß. Ich bin viel durch Deutschland getuckert und habe an Freestylejams teilgenommen und in dem Bereich auch ordentlich was geholt. Dadurch habe ich naürlich auch eine Menge cooler Leute kennengelernt. Rockstah habe ich zum Beispiel bei einem Freestylebattle in Aschaffenburg kennengelernt, welches er tatsächlich gewonnen hat. Das darf man heute eigentlich auch keinem mehr erzählen, aber wir sind hier ja unter uns.


Wie hat sich Dein Rap seitdem verändert?

Mein Rap verändert sich ständig ein bisschen, aber es gibt auch immer eine Konstante – die Battletracks. Das ist mir gerade bei Features und Freetracks wichtig. Da muss einfach zerstört werden. Bei richtigen Songs versuche ich immer ein bisschen tiefer zu gehen, das passiert allerdings ganz automatisch. Eine EP zu machen, auf der ich sieben Songs lang lüge, wie geil ich bin und wie unendlich meine Skills ficken, ist für mich einfach langweilig. Das macht mir dann auch beim Schreiben schon keinen Spaß.


Wer oder was hat Dich beeinflusst?

Homie, ich sag dir, damals gab’s in Aschaffenburg die Par2 Crew. Kein Schwein kennt die, aber die haben mich beeinflusst. Mittlerweile gibt es eine Menge Künstler, die ich super finde und gerne höre. Nicht nur im Rap-Bereich. Ich denke, das ist irgendetwas zwischen Rainald Grebe und Black Keys.


Lebst Du von der Musik?

Ja, ich habe meiner Mutter erst kürzlich ein güldenes Schloss in Oberbayern gekauft. Wir leben dort in einer Art Kommune mit der Familie von Thomas D. Ich baue mir gerade ein kleines Weingut auf. Bei einer Ausstellung über das Lebenswerk von Bassquiat habe ich Francis Ford Coppola kennengelernt und wir haben uns direkt prächtig verstanden. Er hat ja selbst ein Weingut und unterstützt mich gerade ein bisschen. Nebenbei lebt natürlich auch weiterhin der Traum einen eigenen Ibericoschweinzucht. Aber das ist erstmal Zukunftsmusik. Kleiner Spaß am Rande natürlich.


Was ist für Dich Dein wichtigstes Release?

Im Moment die EP “SONNTAGABEND”, die am 12. Oktober 2014 auf meiner Facebookseite www.facebook.com/guterrapper erscheint. Es ist mein erstes Release und es ist echt spannend, ein Werk so wachsen zu sehen. Angefangen bei irgendwelchen Skizzen bis hin zum fertigen Master. Am Ende klingt immer alles so einfach, dabei hat man zwischendrin ordentlich geschwitzt. Auch, weil ein Proberaum im Sommer echt warm ist.


Was kann man von Deinem nächsten Release erwarten?

Das ist die klassische Frage, die wohl noch öfter kommen wird. Darauf sollte ich mir wohl endlich mal eine ordentliche Antwort überlegen. Sagen wir mal so: Es ist untypisch für mich. Vieleicht auch typisch untypisch. Ansonsten: Geile Beats, kleine Hits und echte Brecher. Hier wird jeder bedient. Boah, das war so random. (lacht)


Wenn Du Fremden nur ein Lied von Dir vorspielen könntest, welches wäre das?

“Retroperspektive”, “MAMA” und “..und Falk Schacht trägt keine Mütze mehr”. Ein einzelner Song ist immer schwierig, außer man ist Cro und hatte einen Riesenhit.


Was denkst Du, als wer Du in der Szene wahrgenommen wirst?

Ersteinmal hoffe ich, überhaupt wahrgenommen zu werden, das ist das Wichtigste. Deshalb bin ich auch über jeden Einzelnen, der die Sache unterstützt, wahnsinnig froh. Ich bin nicht der nächste Hipsterschönling und habe meine Ecken und Kanten, aber inzwischen fange ich sogar an, das zu mögen.


Wer sind Deine Lieblingsproduzenten?

Ich zähle jetzt mal nur die deutschen auf, sonst würde das Ganze den Rahmen sprengen. Ganz vorne steht mein Engineer und Homie Nico Rausch. Der Typ hat in der Endphase der EP-Produktion unfassbares geleistet und mich wirklich jeden Tag aufs Neue umgehauen. Natürlich zählt auch Levon Supreme dazu, mit dem es einfach irgendwie passt. Er hat genau kapiert, was ich mag und wir verstehen uns super. Richie Rocafella ist ja sowieso einfach Alltime-Homie und ich stehe auf den Sound, den er macht. Diese ganze Synthesizer-Action ist genau mein Ding. “Mama” ist von ihm produziert und der Beat zerpflückt einfach alles. Shuko und Kollege Schnürschuh sind einfach unglaublich. Mit Shuko in einem Studio zu sitzen, mit all den goldenen Platten an der Wand, war total irre. Ich habe mich gefühlt wie bei Dr. Dre. Das waren zwei geile Tage. Ansonsten in Deutschland sehr nice sind auch: Ahzumjot, Dexter, Bennet On, Peet und natürlich der unfassbare Silkersoft. Checkt alle seine Facebookseite – bester Mensch der Welt.


Gibt es Wunschfeatures?

Nein. Features sind mir nicht wichtig. Rockstah war jedoch wichtig, weil das schon sehr lange ausstand und es einfach mal an der Zeit war, gemeinsam einen Track zu machen. Ansonsten würde ich aber auch gerne mal mit anderen Leuten ins Studio gehen und mit ihnen Arbeiten. Ob das nun Tua, Casper, Jan Delay, Marteria oder auch Leute wie Prinz Pi oder Kool Savas sind. Wie die an einen Song gehen und ihn fertigstellen, das würde mich einfach mal interessieren. Features sind aber oft so Zweckehen, bei denen es nur darum geht, Fans zu generieren. Das hat meiner Meinung nach leider selten etwas mit der Musik zu tun.


Hast Du auch schon mal überlegt den ganzen Kram einfach hinzuwerfen?

Ich wollte mal, aber so richtig habe ich es nie geschafft, das sein zu lassen. Darum versuche ich jetzt ein bisschen Gas zu geben. Dieses Larifari-Gerappe und ab und zu mal einen Song auf Soundcloud Gestelle ist eben auch nichts. Dann lieber richtig.


Planst Du, in 5 Jahren noch zu rappen?

Das ist natürlich stark vom wirtschaftlichen Erfolg meines Weinguts abhängig, aber ich denke schon, ja.


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