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Shawn The Savage Kid – Egoprobleme (Review)

2 Oktober 2014

Shaw The Savage Kid - Egoprobleme (Cover)


„Egoprobleme“ heißt die neue EP des Regensburgers Rappers Shawn the savage kid und ist, wenn auch nur gute zwanzig Minuten lang, aufgrund von unendlich entspannter Stimmung, hübsch erzählten Parallelwelten und Beats irgendwo zwischen SOHN, Flume und Dexter eine recht außergewöhnliche Platte.


Shawn beschäftigt sich mit unsympathischen anderen Ichs, die im Club zum Vorschein kommen, mit Doppelgängern, die alle unangenehmen Aufgaben für einen übernehmen, und mit einer alternativen Karriere als Schlagerstar. Dass Schlager und Rap als Subkulturen unter Umständen und in der richtigen Perspektive gar nicht mal so weit auseinander liegen, macht er augenzwinkernd deutlich.


„Jap, das wird ein gutes Geschäft/

Viel Geld, Koks, Groupies und Sex, oh yes/

Mein Ghostwriter schreibt mir die Hits/

Und Verkaufszahlen steigen in die Höhe wie ein Treppenlift“


Eine Referenz, die vielleicht nicht offensichtlich ist, sich nach mehrmaligem Hören der EP aber doch anbietet, ist der Clueso aus dem Jahre 2006. Beide rappen sehr melodiös, beide sind dabei greifbare und ehrliche Songwriter – und man hört beiden die Liebe zur Musik an.


Der einzige Lovesong der EP, „Sonst nichts“, kann bedenkenlos als Highlight gewertet werden und knüpft in puncto Eindrücklichkeit an sein großartiges „Goamädchen“ an. Shawn erzählt so vollkommen gedankenverloren und unverkopft von romantischen Gefühlen, dass selbst ein „Hey Girl“ aus seinem Mund noch charmant wirkt.


„Wir sind jung und verliebt, denken an Nichts, hören gute Musik/

Stunde um Stunde verfliegt, Shit, unproduktiv/

Folgen nichts, nur dem inneren Drang/

Gedanken rieseln durch Finger wie Sand/

Schreib ein paar Phrasen mit dem Pinsel an die Wand/

Lehn dich zurück, nimm meine Hand“


Shawn the savage kid ist ein bemerkenswerter Künstler und stellt dies mit „Egoprobleme“ erneut und so gut wie nie zuvor unter Beweis. Auch wenn es nur sechs Tracks auf „Egoprobleme“ zu hören gibt: Sie alle zeichnen sich besonders durch Shawns angenehm warme Stimme und innovative Beats, die man eher auf einem Electronica-Album vermuten würde, aus. Dass „Egoprobleme“ ein Konzept zugrunde liegt, tut dem Ganzen gut. Hatte man beim Hören von Shawns erster EP „Kennen wir uns?“ noch das Gefühl, einer losen Ansammlung von Songs zu lauschen, ist „Egoprobleme“ eine stimmige, runde Platte geworden. Man darf auf the savage kid in Albumlänge gespannt sein.


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Text: Alina Klöpper


Shawn The Savage Kid – Schlagerstar (Video)