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Mein Rap #104: Frustra

13 Februar 2015

Frustra

Foto: Sascha Hoecker


In unserer Rubrik “Mein Rap” stehen uns Stars, Untergrund-Größen und Newcomer Rede und Antwort über ihre Musik, den Werdegang und Zukunftspläne. Heute mit Frustra.


Warum rappst Du?

Rap ist das einzige Musikgenre, bei dem man das, was man sagt, auch verkörpern muss. Mir persönlich war es immer sehr wichtig, zu zeigen, dass Straßenrap viel mehr zu bieten hat als Gangster, Drogen und Glücksspiel. Wenn ich rappe, hilft es mir als Ventil und vielleicht auch einigen Zuhörern, denen ich aus der Seele spreche.


Seit wann bist Du aktiv?

Meinen ersten Text habe ich 2003 geschrieben, als “Vom Bordstein bis zur Skyline” von Bushido erschienen ist. Einige Jahre später habe ich mich dann bei der RBA angemeldet und viele punchlinelastige Tracks geschrieben.


Wie hat sich dein Rap seitdem verändert?

Irgendwann hat mich das Battlen gelangweilt und ich habe angefangen, persönlichere Songs zu schreiben. Seit etwa fünf Jahren hat sich meine Musik allerdings nicht großartig verändert. Lediglich die Darstellung nach außen hin ist professioneller geworden.


Wer oder was hat dich beeinflusst?

Als Jugendlicher habe ich viel französischen HipHop gehört. Rapper wie Bakar, Medine und Sefyu haben Migrationsprobleme in ihren Songs behandelt und ich konnte mich sehr gut damit identifizieren.


Lebst du von der Musik?

Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin nirgendwo gesignt und investiere für Videos, Corporate Identity, Mix und Master stets aus meiner eigenen Tasche.


Was ist für dich dein wichtigstes Release?

Meine “Melancholie”-EP, die Ende des vergangenen Jahres erschienen ist, hat mir einige Türen geöffnet. Ich habe sechs Songs aufgenommen, diese professionell mastern lassen und zwei Musikvideos veröffentlicht. Dadurch wurde ich im Radio gespielt und bin mit Prinz Porno und Credibil auf einer ausverkauften Tour gewesen.


Was kann man von deinem nächsten Release erwarten?

“Melancholie” war sehr düster und mit dem kommenden Projekt möchte ich einen deutlich hoffnungsvolleren Sound kreieren. Mir persönlich ist es allerdings wichtig, dass meine neuen Songs auch für die Bühne geeignet sind.


Wenn du Fremden nur ein Lied von dir vorspielen könntest, welches wäre das?

Ich würde “Probleme” vorspielen, da es meiner Meinung nach einen geeigneten Spagat zwischen guter Reimstruktur und Inhalt schafft.


Was denkst du, als wer du in der Szene wahrgenommen wirst?

Ich kann gar nicht einschätzen, ob ich überhaupt auf dem Radar der Szene auftauche. Mein persönliches Ziel war es immer, Streetrap aus einer reflektierten Sicht zu machen. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Ich versuche, in meiner Musik nie der Täter zu sein, sondern objektiv mit einer guten Reimtechnik zu berichten.


Wer sind deine Lieblingsproduzenten?

Ich war damals ein sehr großer Fan von Benny Blanco, der sich heute Bazzazian nennt. Darüber hinaus bin ich sehr überzeugt von Belabil, der die komplette “Melancholie”-EP produziert hat. Wir teilen einen sehr ähnlichen Musikgeschmack und er weiß sofort, was ich mögen könnte. Am meisten beeindruckt mich, dass er nicht einmal ein Keyboard besitzt und mit den geringsten Mitteln etwas unfassbar Großes erschaffen kann.


Gibt es Wunsch-Features?

Es wäre ein Traum, mit Mr. Probz und Medine zusammenarbeiten zu dürfen.


Hast du jemals daran gedacht, den ganzen Kram hinzuwerfen?

Vor vier Jahren war das tatsächlich der Fall. Ich habe jahrelang Musik gemacht, die ich nie veröffentlicht habe. Irgendwann wollte ich mich auf mein anstehendes Studium konzentrieren und habe das Credibil mitgeteilt, der zu diesem Zeitpunkt gerade seine “Ehrlich gesagt”-EP rausgebracht hatte. Anschließend hat er alle Songs, die er von mir hatte, auf eine CD gebrannt und ist damit durch Frankfurt gelaufen, um Vega aufzusuchen, den ich damals sehr gefeiert habe. Irgendwann klingelte mein Telefon und Vega war an der anderen Seite der Leitung. Wie hätte ich da noch aufhören können?


Planst du, in fünf Jahren noch zu rappen?

Es wäre ein traumhaft schön, wenn ich in fünf Jahren zur besten Uhrzeit auf dem splash!-Festival auf der Hauptbühne stehen könnte. Aber um die Frage zu beantworten: Ja!


Frustra – Verrückte Welt (Video)